Was?

"Die Linke machte einmal den Fehler anzunehmen, daß sie ein Monopol auf Antikapitalismus hätte; oder umgekehrt: daß alle Formen des Antikapitalismus zumindest potentiell fortschrittlich seien. Dieser Fehler war verhängnisvoll – nicht zuletzt für die Linke selbst.” Moishe Postone, 1974

"Neofaschistische Strömungen in aller Welt gehen... mit dem antisemitischen islamistischen „Widerstandskampf“ konform, obwohl sie gleichzeitig rassistische Stimmungen gegen Migranten aus den islamischen Ländern schüren. Auch große Teile der globalen Linken begannen umstandslos die Glorifizierung des alten „Antiimperialismus“ auf die islamistischen Bewegungen und Regimes zu übertragen. Das kann nur als ideologische Verwahrlosung gekennzeichnet werden, denn der Islamismus steht gegen alles, wofür die Linke jemals eingetreten ist; er verfolgt jedes marxistische Denken mit gnadenloser Unterdrückung und Folter, er stellt Homosexualität unter Todesstrafe und behandelt die Frauen als Menschen zweiter Klasse." Robert Kurz, "Der Krieg gegen die Juden" 2009

Diese Plattform ist ein Zusammenschluss parteiunabhängiger und autonomer linker Gruppen und Personen in Bayern.

Dienstag, 25. Dezember 2012

Siko-Proteste ohne bayerische Linksjugend


2012 verabschiedete sich die Grüne Jugend vom „Aktionsbündnis gegen die Nato-Sicherheitskonferenz“. 2013 hat nun auch der bayerische Verband der Linksjugend die Schnauze voll. Dafür sind nun Organisationen wie der antizionistische Verein „Salam Shalom“ und der Münchner Aufruf „Kein Krieg gegen Iran“ mit von der Partie.

Deutliche Solidaritätsadressen in Richtung Mullah-Regime: Siko Proteste 2012
2012 hat sich die Grüne Jugend vom Bündnis distanziert und begründete dies mit denantisemitischen Übergriffen auf der Anti-Siko-Demonstration 2011. Außerdem sei eine „gewisse regressive Kapitalismuskritik“ im Bündnis erkennbar, so die Grüne Jugend Bayern. Mit dem bayerischen Landesverband der Linkspartei-Jugend kündigt nun offenbar eine weitere Jugendorganisation dem Bündnis die Gefolgschaft. Die meisten autonomen und alle gewerkschaftlichen Jugendorganisationen verabschiedeten sich in den letzten Jahren bereits. Der Bundesverband der Linksjugend unterstützt zwar offiziell noch den Aufruf 2013, aber mit vielen Mitgliedern der Linksjugend ist nicht zu rechnen, wenn die lokalen Verbände München und Bayern nicht mitspielen.
Antizionistische Ausrichtung immer deutlicher
Dafür steht 2013 der Verein „Salam Shalom“ auf dem Demonstrationsaufruf. Dessen treibende Kräfte sind drei ältere Herren, deren eigenen Worte am besten für sie sprechen: Eckhard Lenner („Israel ist wirklich das ganz Andere und Fremde“), Christoph Steinbrink („Israel vergiftet die Welt und alles fällt auf uns zurück“) und Jürgen Jung („der Irrweg der menschenverachtenden, selbstgerechten Ideologie des Zionismus“). Der Münchner Verein organisierte auch dieses Jahr fragwürdige Veranstaltungen, wie weitere Lesungen aus dem Gedichtband „Höre Israel!“ von Erich Fried. Ebenso fand Moshe Zuckermann auf Einladung der antizionistischen Vereins wieder in die Landeshauptstadt, um über „Existenzbedrohung – Wahn und Wirklichkeit“ zu philosophieren – wohlgemerkt kurz nachdem ein paar Tausend Raketen auf Israel niedergingen. Der Verein hat maßgeblichen Einfluss auf die proiranische Münchner Kampagne „Aufstehen für den Frieden – kein Krieg gegen Iran“, die zuvor noch „Münchner Appell“ lautete und dieses Jahr erstmals Unterstützerder Anti-Siko-Proteste ist.
AnarKomm: die ehrbaren „Anti-Antideutschen“
Wieder mit dabei ist die rustikale Gruppe AnarKomm. Die relativ unbedeutende Splittergruppe war 2002 mit einem Flugblatt aufgefallen, das israelische Waren listete, verbunden mit der Forderung, israelische Waren zu boykottieren. 2011 erarbeitete sich die Gruppe den Preis für den maximal-enthirnten Demonstrationsaufruf, als sie vermeintliche Zusammenhänge mit einem verschwörungstheoretisch anmutenden Schaubild darstellte (siehe Bild). AnarKomm veröffentlichte dann Mitte 2012 ein Schreiben mit dem Titel „Wider den antideutschen Spaltern!“ Darin ist im Jargon der extremen Rechten von einer „völkerfeindlichen Haltung Israels“ die Rede und von „organisierten Agenten“, die ihre „Pöstchen in linken Organisationen“ nutzen würden, „um Anti-Antideutsche zu schädigen“. „Entfernt die Antideutschen so schnell wie möglich aus euren Zusammenhängen!“ ist ihr Rat, „Nieder mit dem Zionismus!“ ist ihre Forderung.

AnarKomm – Demonstrationsaufruf zu den Siko-Protesten 2011
Auch wenn das Ausscheiden der bayerischen Linksjugend ein positives Signal ist, ist die Linkspartei selbst mit dem Münchner Kreisverband, Stadtrat und Landesverband prominent auf dem Aufruf zu den Siko-Protesten vertreten. Als Hauptredner soll dieses Jahr der emeritierte Hochschullehrer und Passagier der Mavi Marmara (2010), Norman Paech, sprechen.

Donnerstag, 29. November 2012

Kein Podium für Nazi-Imame und Judenhasser in Erlangen

Benjamin Idriz, ein Imam aus Penzberg ist oft und gerne Gast in Erlangen, wenn Politik oder Kirche zum interreligiösen Dialog aufrufen. "Penzberger Imam elektrisiert Erlanger Muslime-Freunde" und "Erlanger Bürgermeisterin unterstützt Islamische Gemeinde" war dann in den "Erlanger Nachrichten" zu lesen.

 Prof. Husein Djozo

Nun hatte Pfarrer Johannes Mann den Imam zur Kanzelrede in die Hugenottenkirche eingeladen. Sein Gast Idriz propagiert ganz offen seine Hinwendung zur Ideologie Husein Djozo, den er als „Pionier islamischer Reformen in Bosnien und Herzegowina" hochleben lässt. Nun ist Prof. Husein Djozo auch bekannt als Militär-Imam von Hitlers Gnaden in der sogenannten „Handschar-Division“ der Waffen-SS. Er war Hauptsturmführer der Waffen-SS, Kriegsteilnehmer auf dem Balkan und Judenhasser.

"Die „Handschar“ sollte nach Himmlers Vorstellung eine rein muslimische Division sein. Faktisch zählten zu den rund 20 000 Soldaten auch etwa 2800 Katholiken. Da sie in der Minderheit waren, blieb der Modellcharakter der Division für eine weltweite nationalsozialistisch-muslimische Allianz gewahrt.






Amin al-Husseini  nimm Parade islamischer SS-Soldaten ab


Zur Schulung des geistlichen Personals gründete die SS im brandenburgischen Guben ein Imam-Institut. Bei dessen Eröffnung am 21. April 1944 sprach erst der Großmufti von Jerusalem, dann Militärimam Djozo.


Mufti al-Husseini erklärte, die Muslime würden keinen besseren Verbündeten finden als das Deutsche Reich, und das nationalsozialistische Deutschland habe „keinen loyaleren Freund als die Muslime“. Djozo, der das Institut leitete, schloss sich an: Das Institut werde die „freundlichen Bande zwischen der islamischen Welt und dem nationalsozialistischen Deutschland weiter stärken“. Die Imame seien bereit, „unsere größten Anstrengungen auszuweiten, um die Neue Ordnung zu verwirklichen“ – das von den Nazis beherrschte Europa also.
Im Dezember 1943 hatte Djozo auf Deutsch an Himmler geschrieben, „uns Muselmanen“ sei es eine Ehre, „unser Leben im Kampfe für den großen Führer Adolf Hitler und das Neue Europa“ einzusetzen.(...)Auf der vierten islamischen Konferenz in Kairo mit Würdenträgern aus 34 Ländern wurde laut Lebl ein Aufruf verabschiedet, wonach Jerusalem im „heiligen Krieg“ von den Juden zu „befreien“ sei. Djozo versprach „im Namen der jugoslawischen Muslime“, durch Freiwillige und durch Spenden zum „Sieg des Dschihad im Nahen Osten“ beizutragen." (Quelle)

v.l. Imam Husein Djozo, Großmufti Amin al-Husseini  mit Waffen-SS-Vertretern.

Report München sendete bereits in diesem Jahr einen Bericht mit dem Titel: " Imam Benjamin Idriz in Erklärungsnot". Dort wird sein Besuch im "Europäischen Institut für Geisteswissenschaften Chateau Chinon“ thematisiert. Früher ein Ferienlager, seit zwanzig Jahren – so die Ansicht von Experten, eine Einrichtung mit islamistischen Bezügen. 
Ermordung eines Zivilisten

Waffenbrüder

















Im Zuge der Debatte um das Mohammedvideo sagte Idriz. "Die Menschen, die diesen Film gemacht haben und zeigen, sind wertlos", was Ali Yildiz vom Blog "Der Kosmopolit" empört: "Wer von wertlosen Menschen spricht offenbart eine Gedankenwelt, die von der Würde des Menschen noch nichts verstanden hat."

Wir sind der Überzeugung, die Toleranz von Stadt und Bürgerschaft Erlangens ist mit den Besuchen des Imam Idriz überstrapaziert. Keinesfalls sollte ihm mehr ein Podium geboten werden, die religiösen Gemeinden sind ebenso wie die Politik aufgefordert, ihm keine Bühne mehr zu bieten.
Bildquellen: Google Bildersuche

Samstag, 24. November 2012

Landshuter Geschichten


Wer von seinem beschaulichem und ruhigen Leben in der Hauptstadt Niederbayerns gelangweilt ist, weil hier ja nie etwas aufregendes zu passieren scheint oder er nicht weiß, wie er die Wartezeit bis zur nächsten Landshuter Hochzeit überbrücken soll, ist für jede Abwechselung dankbar. Da man die Ruhe scheinbar nicht genießen kann und es nicht über das Herz bringt ein gutes Buch zu lesen, betätigt man sich gerne anderweitig. Hier in diesem Fall in der großen Weltpolitik. Das tolle daran ist, dass es jeder kann. Voraussetzungen: mit Ausnahme eines moralischen Gewissens, keine. Mehr braucht es ja auch nicht. Auswirkungen hat das Geschwätz meistens keine. Die Welt bleibt wie sie ist und wenn irgendein Hanswurst sagt wie sie denn sein soll, dann ist das ja ganz nett und mehr auch nicht. Wirklich unangenehm wird es dann, wenn das Geschwätz nicht im Chor der vielen Bescheid- und Dummschwätzer untergeht, sondern zum Tummelplatz für das eigene Ressentiment wird. In diesem Falle klingt das so: „Eine mutige Frau erhebt ihre Stimme“[1]. „Schon wieder“ möchte man mehr angeödet als empört stöhnen. Sekundiert wurde die mutige Frau durch den Journalisten von der Landshuter Zeitung. Das ganze war dann scheinbar so spannend, dass der Landshuter Zeitung der Vortrag von Frau Sumaya Farhat-Naser einen Artikel wert war. Dort heißt es dann zu Beginn:
Das muss man sich mal vorstellen: Vater, Mutter und die dreijährige Tochter sind auf dem Weg von der Chemnitzer Straße in Auloh ins Kinderkrankenhaus. Kaum sind sie ein paar Minuten unterwegs, muss der Vater scharf bremsen. Auf Höhe der Handelskammer ist die Straße so eng, dass nur ein Auto durchkommt. An einem Unterstand stapeln sich die Sandsäcke, ein Stacheldrahtverhau verhindert das Ausscheren.
Ein gerade mal 20-Jähriger in Uniform versucht, ein möglichst grimmiges Gesicht aufzusetzen und herrscht den Fahrer an: “He du blöder Auloher, ich will deinen Ausweis sehen. Wo willst du mit deiner Bagage hin?” Verängstigt antwortet der Vater: “Wir müssen ins Krankenhaus, meine Tochter hat fast vierzig Grad Fieber.” Der junge Soldat: “Mir ist es völlig egal, ob hier irgendjemand krank ist, ich muss erst mal nachsehen, ob ihr nicht was im Kofferraum versteckt habt.” Der junge Soldat fuchtelt nervös mit seiner Maschinenpistole herum. Ein Kollege – ebenfalls Marke Milchreisbubi – öffnet den Kofferraum, durchwühlt alles und geht dann gelangweilt zurück zum Unterstand. Nach einer halben Stunde dürfen die Auloher weiterfahren.
Die nächste Schikane erwartet die drei an der Kreuzung Niedermayer-/Marschallstraße. Ein paar Kriminelle hätten auf dem Weg hoch zum Kinderkrankenhaus einen Hofbergler überfallen. Also ist hier erst mal alles dicht. Ein genervter Uniformierter schnauzt sie an. Nach 20 Minuten geht die Fahrt endlich weiter. Nach insgesamt drei Stunden ist die Familie in der Notaufnahme. Vielleicht lebt die Dreijährige noch. Absoluter Wahnsinn.“ [2]
 Dass man sich das erst einmal vorstellen muss, scheint dem Autor dieser Zeilen dann doch so schwer nicht zu fallen – geschafft hat er es allemal. Und wo solche Vorstellungskraft am Werke ist, da gibt es kaum noch Grenzen: „Diese Geschichte ist frei erfunden, aber so oder ähnlich spielt sich der Wahnsinn täglich in Palästina ab.“ So oder so ähnlich und wie auch immer. Auf jeden Fall: Milchreisbubis terrorisieren Familienväter mit kranken Kindern, in „Palästina“, laut dem Journalisten. Oder der Referentin? Ob da einer über eine überschäumende Vorstellungskraft verfügt oder die Phantasie mit ihm durchgeht, ob es von der Referentin stammt oder von dem Journalisten, ist egal – bei so viel Identifikation ist die Marschrichtung klar: auf nach Israel.
Aus seiner distanzlosen Sympathie für Frau Sumaya Farhat-Naser und ihren Vortrag macht er keinen Hehl.
Statt in der vollbesetzten Pausenhalle in Seligenthal hochtrabend zu dozieren, steckte die Palästinenserin das Publikum mit ihrer Menschlichkeit, ihrer Fröhlichkeit, ihrer Zuversicht und ihrem Mut an. Wer aber meint, Farhat-Naser sei nur eine nette, immerzu lächelnde Frau, irrt gewaltig. Sie lullte ihre Zuhörer nicht mit windelweichen Friede-Freude-Eierkuchen-Sprüchen ein, sondern sie redete Tacheles. Sie sprach über die unsäglichen Schikanen in einem seit Jahrzehnten besetzten Land. Sumaya Farhat-Naser erklärte anschaulich, was es bedeutet, alle paar Kilometer Checkpoints vor sich zu haben, die vor allem den Zweck haben, die Palästinenser zu zermürben und zu demütigen.“ [3]
 Statt das zu tun, was man wohl gemeinhin von einer Professorin erwarten würde, nämlich zu dozieren, wirkte die Referentin scheinbar eher ansteckend. Den Journalisten hat es wohl schon erwischt. Angesteckt vom Jargon: Menschlichkeit, Fröhlichkeit, Zuversicht und Mut. Phrasen ohne jeglichen begrifflichen Inhalt oder Kontext, die aber auch dem plumpsten Geschwätz die Weihen des Höheren verleihen[4]. Vor allem dann, wenn kein Wort über den Tugendterror der Hamas oder der Fatah gesprochen wird, geschweige denn, das Suicide-Bombing, sondern das Elend der Palästinenser in Form von israelischen Checkpoints erscheint. Für wen ersteres kein Wort wert ist und letzteres zum Problem wird, der muss um so mehr von Menschlichkeit faseln, weil er nichts von der verletzlichen Leiblichkeit des Menschen, also vom einzelnen menschlichen Individuum wissen will. Daher fällt es nicht schwer jenen Gutes zu attestieren, für die ein einzelner Mensch und sein quälbarer Leib[5] nur als Material für die reine Qual, für die Todes- und Tötungsbereitschaft, kurz: als Opfer, zählen.
 „Der in Deutschland fast ausschließlich als Terrororganisation bekannten Gruppe setzte die Palästinenserin das Bild einer sozialen Organisation entgegen. Nicht jedes Hamas-Mitglied sei Terrorist. Im Übrigen sei in Deutschland kaum bekannt, dass das israelische Militär regelmäßig Zivilisten in Palästina beschieße. Unter Beifall fügte sie hinzu: “Ich will die Hamas für meinen Weg gewinnen.” Den Weg des friedlichen Dialogs. Denn eines sei klar: “Es leben zwei Völker in einem Land, und beide haben recht.”[6]
 Dass die Hamas, sowohl Terror- als auch Wohlfahrtsorganisation ist und dass das eine ohne das andere nicht geht, ist dem Publikum und der Referentin so wenig einsichtig wie es ihnen egal ist. Vom Racket will keiner reden, vor allem, wenn man sich selbst nach dessen Nestwärme sehnt. Und wenn dann die Faktenlage, die aus nichts anderem als persönlichem Erleben und Bescheid wissen besteht, zum Einsatz kommt, als ob es sich nicht jeder ohnehin schon denkt: dass Israel und das weiß keiner, aber vermutet jeder, Zivilisten beschießt. Da kann sich das Publikum scheinbar nicht mehr halten und geht auf im Beifall. Wer da klatscht ist kein Claquer, sondern mit Leib und Seele dabei. Der Begeisterung wird dann noch einer aufgesetzt wenn man nämlich die Antisemiten von der Hamas (und nichts anderes als antisemitisch ist sie) nun auch noch gewinnen will. Denn schließlich haben am Ende beide Völker recht.
Recht sprechen, Recht setzen und Recht haben ist eh alles eins, dort wo der eigene Größenwahn sich zur Instanz erhebt, und das Richten anfängt und alles Individuelle unter sein vermeintliches Dasein als Volk subsumiert. Was einstmals dem Souverän zukam, ist jetzt Aufgabe des Intellektuellen, der sich als Souverän dünkt. Anders ließe sich der Weg des friedlichen Dialogs mit jener Gruppe, die in ihrer Charta nichts anderes schreibt als: „Ansätze zum Frieden, die sogenannten friedlichen Lösungen und die internationalen Konferenzen zur Lösung der Palästinafrage stehen sämtlichst im Widerspruch zu den Auffassungen der Islamischen Widerstandsbewegung.“[7] gar nicht für möglich halten, als denn durch manische Selbsterhöhung. Wer aber zu solcherlei Kapriolen fähig ist, der kann sich getrost mit seinem Dialogpartner zu Tode kommunizieren.
Dass der Jude als Individuum nur überleben kann, in dem er gezwungen ist, sich mit eigenem Staat als jüdisches Volk zu konstituieren, weil der einzige Bezug aufs Jude-sein letztlich in der „Negativität“, in der Vernichtungsdrohung liegt, wie sie die Hamas formuliert und exekutiert. So wenig existiert ein palästinensisches Volk mit irgendwelchen positiven Eigenschaften, sondern nur die antijüdische Mobilmachung der Bevölkerung, sekundiert durch die Einpeitscher von Hamas und Fatah. Dies geht am nestwarmen, behaglichen Verständnis für den Anderen (seien es Völker, Kulturen, Religionen usf.) vorbei. Und trotzdem oder gerade deswegen zeigt man Verständnis und nähert sich mit aller Leistung, die der Verstand einem bietet dem „Problem“ an, das nicht Antisemitismus heißt, sondern mangelnde Empathie, falsche Lebensziele und Mangel an logischem Denken – bei Juden.
 „Farhat-Naser sprach über “reale innere Ängste” der Juden. Nach dem Holocaust seien die meisten bis heute nicht imstande, das Leid der anderen[8], der Palästinenser, zu sehen. Das Lebensziel der Juden besteht laut Farhat-Naser darin, für immer Angst zu haben. Dies führe dazu, dass das logische Denken aussetze.“[9]
Da Frau Farhat-Naser wohl näher am Juden dran ist, als ein Einwohner Landshuts, glaubt man ihr gut und allzu gerne auch diesen völkerpsychologischen Exkurs. Dass es wohl Sinn und Zweck des Staates Israels und seiner Streitkräfte ist, dass Leben seiner Bevölkerung zu schützen d.h. ein Lebensziel zu haben in etwa der Richtung: am Leben bleiben und das dann noch unter möglichst normalen Umständen, kann die Professorin für Botanik und Ökologie, sowie freiberufliche Völkerpsychologin nicht nachvollziehen. Dass die Juden zur Empathie und zum logischen Denken unfähig, kurzum uneinsichtig seien[10], dazu braucht man keine Frau Professor Farhat-Naser, sondern man kann es sich bei jedem x-beliebigen friedensbewegten Antizionisten oder sonstigen Judenhassern anhören. Aber nichtsdestotrotz möchte man sich fragen, ob das denn keinen stört? Man möchte es sich fragen, in der Hoffnung noch auf jemanden zu treffen der nicht ganz irre geworden ist; wohl vergebens, denn: „Zwei Stunden lang begeisterte die Rednerin das Publikum mit ihrem Wissen und ihrem Engagement.“
Die Begeisterung für das Engagement dieser Frau bestätigt genau das was Adorno so treffend formulierte: „In Deutschland läuft vielfach das Engagement auf Geblök hinaus, auf das, was alle sagen oder wenigstens latent alle gern hören möchten.“[11]
Es wächst zusammen was zusammengehört: die Referentin mit ihrem Publikum (oder umgekehrt) in dem, was man schon immer vom Juden gewusst hat und der Journalist sekundiert ganz brav. Alle sind sich einig, die Grenze zwischen Referentin, Publikum und Journallie verschwindet in der Identifikation aller mit allen durch ihre gemeinsame affektive Bindung[12]: den Juden.
Aber von Antisemitismus kann hier keine Rede sein, denn wie bemerkte einst Friedrich Dürrenmatt: „Kein Mensch ist heute mehr Antisemit, man versteht nur die Araber.“
[2] Ebd.
[3] Ebd.
[4] Vgl. Theodor W. Adorno: Jargon der Eigentlichkeit S.419 in Gesammelte Werke Band 6, Frankfurt a. Main 2003.
[5] Vgl. Gerhard Scheit „Quälbarer Leib – Zur Kritik der Gesellschaft nach Adorno“, Freiburg im Breisgau 2011
[7] Artikel 13 der Hamas-Charta, siehe
[8] Alain Finkielkraut wies schon auf die Konsequenzen solchen Denkens hin, dass sich im Namen des Anderen erhebt: „Dort wo die Moral den Feind aus dem Weg geräumt hat, taucht dieser in dämonischer Gestalt des Feindes des Anderen wieder auf,das heißt in der Gestalt des Feindes des Menschengeschlechts“. (S.129) Literaturangabe
Mit Menschlichkeit, Fröhlichkeit, Zuversicht und Mut erfolgt die Abfertigung der Juden, als in letzter Konsequenz unmenschlich.
Alain Finkielkraut „Im Namen des Anderen. Reflexionen über den kommenenden
Antisemitismus“ in Rabinovic, Doron; Speck, Ulrich; Sznaider, Natan (Hrg): „Neuer Antisemitismus? Eine globale Debatte.“ Frankfurt am Main, 2004.
[10] Dieses Unterstellen einer Mangelnden Einsicht speist sich aus dem Gefühl, das der Psychoanalytiker Zvi Rex so treffend auf den Punkt brachte: „die Deutschen [oder in diesem Fall die Welt] werden [wird] den Juden Auschwitz nie verzeihen.“ Zu
[11] Theodor W. Adorno „Engagement“ S. 429 in Gesammelte Werke Band 11 Frankfurt a. Main 2003
[12] Vgl. Sigmund Freud „Massenpsychologie und Ich-Analyse“. Es wäre noch anzumerken, dass diese Idealisierung der Palästinenserin Sumaya Farhat-Naser ihre affektive Bindung am Juden hat. Was sie aber so besonders anziehend macht ist, dass sie am laufenden Band vom Juden und seinen Schikanen gegenüber den Palästinensern schwadroniert, was man ja als Deutscher bekanntlich nicht darf.

Dienstag, 30. Oktober 2012

Linke, Nahostkonflikt, Antisemitismus

Wegweiser durch eine Debatte. Eine kommentierte Bibliografie von Peter Ullrich, Reihe «Analysen»

Insbesondere für die deutsche Linke hat der Nahost- und Antisemitismusstreit eine immense Bedeutung und Sprengkraft. Er ist Dauerthema in linken Zeitschriften und Veranstaltungen sowie beliebter Gegenstand der Agitation konservativer Medien gegen die Linke. Gelegentliche Eskalationen zu verschiedenen Anlässen sorgen dafür, dass die Problematik ganz oben auf der politischen Agenda bleibt. Dabei verläuft die Auseinandersetzung auch innerhalb der Linken selten solidarisch. Starke Identifikationen sowie extreme und zudem häufig antagonistische Positionierungen und Blickwinkel kennzeichnen die Debatte. Regelmäßig kommt es auch zu sehr persönlichen und verletzenden Vorwürfen und Angriffen; sogar vor physischer Gewalt wird nicht haltgemacht. Und im Gewand dieser Debatte wird immer wieder auch verhandelt, was eigentlich (noch) links ist. 
Ziel dieser kommentierten Bibliografie zur Thematik Linke, Nahostkonflikt und Antisemitismus ist es, zu einer Versachlichung der Diskussion beizutragen. Sie will den einseitigen Positionen, schablonenhaften Schuldzuschreibungen und ritualisierten Phrasen komplexere Perspektiven entgegensetzen, Zugang zu Hintergrundwissen und «Fakten» sowie zu den Bedingungen ermöglichen, die diese erst zu solchen machen, und somit Anregungen zur (selbst-)kritischen Reflexion geben. Die Broschüre soll zudem einen leichten Einstieg in die inzwischen doch recht umfassende Literatur zum Thema bieten. Denn insbesondere in der Zeit nach 1990 ist eine Vielzahl von relevanten Studien und ernsthaften Debattenbeiträgen erschienen, die eine gute Grundlage bieten für die fundierte und kritische Auseinandersetzung mit spezifischen Traditionen, ideologischen Erbschaften, Prägungen und grundlegenden Ambivalenzen linker Politik in Hinblick auf den Nahostkonflikt. Im Folgenden werden die wichtigsten dieser Beiträge in Form von kurzen Inhaltsangaben und Kommentierungen vorgestellt. Als Sammlung von Basistexten ist diese Broschüre vor allem für die Nutzung in der politischen Bildungsarbeit gedacht. Doch auch Studierende, Wissenschaftler/innen und alle anderen Interessierten werden sich mit ihrer Hilfe schnell einen Überblick zum aktuellen Stand der Forschung verschaffen können.
In die Darstellung wurden vor allem Bücher aufgenommen, die Grundlegendes zum Verständnis linker Kontroversen zum Thema in einer bestimmten Epoche leisten (zum Beispiel zur Zionismus- Debatte in der Arbeiter/innenbewegung des 19. Jahrhunderts) oder die wesentliche Begriffe beziehungsweise theoretische Perspektiven in die Diskussion eingeführt haben (beispielsweise «antiimperialistischer Antizionismus»). Neben recht bekannten, weitverbreiteten und häufig zitierten Publikationen sind auch solche berücksichtigt, die hierzulande bisher weniger rezipiert wurden – sei es, weil sie nicht in deutscher Sprache veröffentlicht wurden oder weil die Texte aus anderen Gründen nicht leicht zugänglich sind. Soweit Zitate vom Englischen ins Deutsche übertragen wurden, stammen die Übersetzungen vom Autor. Nicht alle besprochenen Bücher werden im gleichen Umfang behandelt. Dahinter steht durchaus die Absicht, eine Gewichtung vorzunehmen und unnötige Wiederholungen zu vermeiden. Stattdessen wird die jeweilige Bedeutung der Texte für die Gesamtdebatte herausgestellt. Wo immer es möglich ist, werden die Leser/ innen bei Monografien auch auf kürzere Texte der entsprechenden Autor/ innen (die für Seminare und Lesekreise geeignet sind) oder Online-Ressourcen hingewiesen. Die in fünf Abschnitte unterteilte Darstellung beschränkt sich im Wesentlichen auf wissenschaftliche Beiträge.

Download: http://www.rosalux.de/fileadmin/rls_uploads/pdfs/Analysen/Analyse_Linke-u-Nahostkonflikt.pdf

Samstag, 11. August 2012

Das unbekannteste Ereignis des Nahen Ostens


Vielen Dank an Elisabeth Lahusen für die Übersetzung eines Textes von Ron Prosor; erschienen am 7.5.2012 in der Huffingtonpost.
Das unbekannteste Ereignis des Nahen Ostens
In diesem Monat begehen die Vereinten Nationen den Weltflüchtlingstag. Eine Multimediakampagne mit Starbesetzung soll die Aufmerksamkeit auf das Leid der Flüchtlinge lenken. Promis wie Angelina Jolie haben Videospots gedreht. Sie werden im Fernsehen gesendet und in den Sozialnetzwerken verbreitet werden. Millionen werden an Events auf 5 Kontinenten teilnehmen. Es wird Konzerte in London, ein Filmfestival in Beirut, ein Fahrradrennen in Ecuador und vieles mehr geben.
Doch eine Flüchtlingsgruppe wird bei all diesen Veranstaltungen nicht einmal erwähnt werden: Die 850.000 in 6 Jahrzehnten aus den arabischen Ländern vertriebenen Juden.
Deren Geschichte ist zu einem der größten Geheimnisse des 20. Jahrhunderts gemacht worden.
Ende des 2. Weltkrieges lebten mehr als 850.000 Juden in den arabischen Ländern. Heute nur noch ca. 8.500. Das Verschwinden der Juden war beabsichtigt. Nachdem es die arabischen Führer 1948 nicht geschafft hatten, Israel militärisch zu vernichten, starteten sie mit Terror und Hetze eine Vertreibungskampagne ihrer eigenen jüdischen Gemeinden.
Im Irak wurde der jüdische Geschäftsmann Schafiq Adas, damals der reichste Bürger des Landes, auf Grund einer erfundenen Anklage verhaftet und öffentlich gelyncht. Es folgte Bombendattacken auf jüdische Einrichtungen, willkürliche Verhaftungen führender Juden und eine von der Regierung gesteuerte massive Enteignungswelle jüdischen Privateigentums.
Innerhalb weniger Jahre war buchstäblich die gesamte 2500 Jahre alte jüdische Gemeinde des Irak geflohen. Viele der größten Künstler, Musiker und Geschäftsleute des Landes waren weg.
Ähnliches geschah in der gesamten Region, von Ägypten über Syrien, Libyen bis hin zum Jemen. Staatlich angeordnete Pogrome trafen jüdische Viertel. Unschuldige wurden getötet, uralte Synagogen und jüdische Friedhöfe wurden zerstört.
Neue drakonische Gesetze hinderten die Juden an ihrer Religionsausübung und zwangen sie, Stoffzeichen zu tragen, die sie als Juden kennzeichneten. Grundbesitz und persönliches Eigentum im Wert von Milliarden wurden beschlagnahmt. Die Gesamtfläche des in den arabischen Staaten konfiszierten jüdischen Grundbesitzes entspricht mit etwa 40.0000 Quadratmeilen, der fünffachen Fläche des Staates Israel.
Der überwiegende Teil der jüdischen Flüchtlinge aus den arabischen Ländern gelangte nach Israel und verdoppelte in den fünfziger Jahren fast die Bevölkerung. “Die meisten betraten das Land von Milch und Honig ohne Milch und ohne Honig.”
Sie erhielten volle Bürgerrechte. Sie wurden mit ehrgeizigen Integrationsprogrammen empfangen und bis in die höchsten Schichten der Gesellschaft integriert.
Jahre sind vergangen. Aber die Ungerechtigkeit, die man diesen jüdischen Flüchtlingen angetan hat, ist geblieben. Die Welt schwieg und machte sich so zum Komplizen, während die arabischen Regierungen jegliche Erinnerungen an diese Geschichten auslöschten.
Nirgendwo ist diese revisionistische Geschichtsschreibung deutlicher erkennbar als in den Hallen der Vereinten Nationen. Jahr um Jahr ziehen palästinensische Flüchtlinge mehr Aufmerksamkeit und Mittel Seitens der UN auf sich, als Britney Spears auf einem Paparazzitreffen. Aber nicht eine einzige Silbe verlautet über jene jüdischen Flüchtlinge, die aus den arabischen Ländern vertrieben worden sind. Sie werden in keiner einzigen der 1088 UN- Resolutionen zum Thema Nahost erwähnt, während allein 172 UN- Resolutionen den palästinensischen Flüchtlingen gewidmet sind.
Während arabische Führer Zuflucht vor der Realität gefunden haben, waren sie unfähig, den Folgen ihrer eigenen religiösen und sektiererischen Verfolgung, Aufhetzung und Gewalt zu entkommen.
In den Trümmern des früheren jüdischen Viertels von Aleppo unterdrückt das alavitisch gesteuerte Regime Assads heute den von Sunniten angeführten Widerstand in Syrien.
In Ägypten brennt der Mob in der gleichen Weise christliche Kirchen nieder, wie sie es vor Jahren mit den Synagogen getrieben haben.
In Bagdad, wo Juden einst ein Drittel der Bevölkerung stellten, verharren Sunniten und Schiiten nach Jahren des Blutvergießens noch wie Kampfhunde im Ring.
Um eine friedliche Zukunft im Nahen und Mittleren Osten zu schmieden, müssen die arabischen Regierungen endlich die Lehren aus ihrer eigenen Vergangenheit ziehen. Sie müssen Gesellschaften bilden, die alle einschließen, Minderheiten schützen und jedem einen Platz am Tisch der Entscheidungsträger bieten.
Die ersten Schritte zu echtem Pluralismus werden getan sein, sowie die arabischen Länder ihre eigene Geschichte von Verfolgung und Intoleranz anerkennen. Sie sollten damit beginnen, die 850.000 unterschlagenen Geschichten jener Juden aufzudecken, die sie aus ihren historisch angestammten Heimstätten gerissen haben.
Die historische Präsenz von Juden in der Arabischen Welt muss anerkannt werden.
Die schweren Ungerechtigkeiten, die ihnen beigefügt worden sind, müssen eingestanden werden. Die Verbrechen an den Juden müssen aufgedeckt und gesühnt werden.
Ron Prosor ist der Botschafter und ständige Repräsentant Israels bei den Vereinten Nationen
Aus: www.huffingtonpost.com
“The Middle East’s Greatest Untold Story
This month the United Nations marks World Refugee Day, a star-studded, multimedia campaign to raise awareness about the plight of refugees. Yet mention of one group of refugees will be noticeably absent: the 850,000 Jews expelled from Arab countries during the past six decades…”

Mittwoch, 27. Juni 2012

Antisemitismus von links

Antisemitismus von links
Kritik aus rätekommunistischer und anarchistischer Perspektive

Daß es innerhalb der politischen Linken Judenfeindschaft gab und gibt,
ist bekannt. Weniger bekannt ist die sehr frühe Kritik daran. Franz
Pfemfert, Rätekommunist und Mitbegründer der KPD, wies Anfang der
1920er Jahre auf judenfeindliche Äußerungen innerhalb der
kommunistischen Bewegung hin. Er hatte die Partei 1920 verlassen und
zeigte in seiner Zeitschrift “Die Aktion” ihre Entwicklung zu einer
nationalistischen und stalinistischen Kaderpartei auf. Zur gleichen
Zeit registrierte Leo Trotzki judenfeindliche Tendenzen in der
Sowjetunion, sprach sie jedoch kaum öffentlich an. Das passierte erst
1937, während der Moskauer Schauprozesse, in seinem postum
veröffentlichten Text “Thermidor und Antisemitismus”. In ihren
Reiseberichten aus Sowjetrußland zitierten die US-amerikanische
Anarchistin Emma Goldman und ihr Lebensgefährte Alexander Berkman aus
Gesprächen mit Jüdinnen und Juden über eine neue Form der
Judenfeindschaft. Diese Berichte waren nicht einstimmig: Manche waren
den neuen Machthabern dankbar, andere sprachen hingegen von “stillen
Pogromen”. Ein Jude erklärte Goldman und Berkman, der Bolschewismus
habe “die antisemitische Einstellung der Massen verstärkt”. Der
Vortrag rekonstruiert die Motive, warum Berkman, Goldman, Alexandra
Ramm-Pfemfert, Franz Pfemfert und Trotzki etwas kritisierten, was
vielen anderen innerhalb der kommunistischen Linken nicht einmal
auffiel. – Es spricht Olaf Kistenmacher (Hamburg). Als Historiker
betreute er die Sendereihe “Antisemitismus von links” im Freien
Sender-Kombinat; letzte Veröffentlichungen u.a. “‘Mein Leben war mit
dem der Juden verknüpft‘. Zur Wiederveröffentlichung von Emma Goldmans
Autobiographie lsquo;Gelebtes Leben‘” (Jungle World N° 11 vom 17. März
2011) und “‘Klassenkämpfer wider Willen‘. Die KPD und der
Antisemitismus in der Weimarer Republik” (Jungle World N° 28 vom 14.
Juli 2011).

Anhören: http://audioarchiv.k23.in/Referate/ISF_Freiburg/Kistenmacher-Antisemitismus-von-links_2011-11-16.mp3

Sonntag, 24. Juni 2012

Prioritäten der bayerischen Linkspartei

Die bayerische Linkspartei kann nicht unbedingt von sich behaupten, auf einem soliden Fundament innerparteilicher Solidarität und Demokratie zu stehen und mit ihrem Landesprogramm beim Wähler zu punkten. Nicht nur, dass sie in Umfragen zwischen Nichtwahrnehmbar und 2% taumelt, unvergessen und unaufgeklärt ist das innerparteiliche Dossier, indem Handlungsanleitungen dokumentiert werden, um Parteimitglieder politisch und menschlich zu vernichten. Die von der Linksjugend Bayern geforderten umfassenden Reformen blieben bisher aus. Auch der aufgeflogene Versuch aus den Reihen des Parteivorstandes, die Linksparteimitglieder zum "Ausforschen" der Piratenpartei anzuhalten, blieb bisher ohne offizielle Entschuldigung. Die Mitgliederzahlen sanken von 2008 bis heute um nahezu ein Drittel, einige der ohnehin nur wenigen Mandatsträger auf kommunaler Ebene sind ausgetreten. Schwer erkranke Mitglieder der innerparteilichen Minderheit werden als Verfassungsschutzagenten denunziert. Ein anderes Mitglied droht offen mit Waffen gegen "Zionisten".
Das die Partei auf Bundesebene gerade nochmal so an einer Spaltung vorbeigeschrammt ist, trägt auch nicht wesentlich zur Selbstreflexion über Strukturen und Inhalte linker Politik in Bayern bei. Man sollte eigentlich meinen, der Landesverband einer Partei sei primär für die Landespolitik zuständig und der Landesvorstand müsse die Partei ordnen, strukturieren und in die inhaltliche Offensive gegenüber den politischen Mitbewerbern bringen sollte. Brennende Landesthemen gäbe es genug. Sollte das nicht reichen, hätte man auch noch eine Reihe Bundesthemen wie Mindestlohn, Gesundheits.- oder Rentenreform oder sogar das Thema "Bedingungsloses Grundeinkommen" könnte man mit der neuen Parteivorsitzenden und BGE-Expertin Kipping in die mediale Offensive bringen. Falls das alles nicht reicht, so gibt die Wirtschafts.- und Finanzkrise Material genug für Demos, Veranstaltungen oder Produktion von Infomaterial. 
Konstatieren kann man also: Der Laden brennt, Mitglieder treten in Scharen aus und die Partei ist alles andere als Kampagnenfähig. Die Themen liegen auf der Strasse, man braucht sie nur aufzugreifen. Eine verantwortungsvolle Führung würde also im Angesicht der bevorstehenden Landtagswahlen 2013 die Partei restrukturieren, demokratisieren und eine thematische Offensive mit Landesthemen vorbereiten. 
Wie gesagt, eine verantwortungsvolle Führung. 
Nun reden wir hier aber von der Linkspartei. Das bedeutet, man muss Abstriche machen. Was tut also die bayerische Linke?  Sie beschäftigt sich primär mit dem Nahostkonflikt. Der Landesvorsitzende Xaver Merk ging auf Reise durch "Israel und Palästina", brachte viele Bilder mit und veranstaltet nun eine Tournee durch Bayern. In diversen bayerischen Städten werden nun Diaabende von der lokalen Linkspartei veranstaltet. Zwingend logisch, oder?





Update: Wie wirklich desaströs die Lage der PdL ist, zeigt dieser aktuelle Artikel:


Dienstag, 29. Mai 2012

Frauenpower aus der palästinensischen Volksküche

Bei den „Palästina Tagen 2012″ sollen diesmal offenbar mehr Frauen zu Wort kommen. Doch die werden wenig anderes zu sagen haben als die Männer.

Frauen- und Kinderblock auf einer Demonstration in Berlin 2004

Das „Palästina Komitee München“ gründete sich zum Libanon-Krieg 1982. Die Veranstaltungen des Komitees, wozu auch die alljährlichen „Palästina Tage“ zählen, wurden von Anfang an auf deutsche Befindlichkeiten hin zugeschnitten. Endlich könne man – so die Gründer damals – es in der „deutschen Öffentlichkeit wagen, Israel gegenüber Kritik zu üben.“ Eine Veranstaltung mit dem Titel „Dürfen Deutsche Israel kritisieren?“ legte das Komitee demonstrativ auf einen 09. November. An der Haltung der Macher hat sich bis heute wenig geändert, Demonstrationsaufrufe kommen aktuell nicht weniger radikal daher, als zu Zeiten der Intifada. München hingegen hat sich gewandelt. Während man den „Palästina Tagen“ in der alten BRD tendenziell noch die Hinterzimmer zuwies, finden sie heute in städtischen Einrichtungen statt. 2010 unterstützte die renommierte Hip-Hop-Kombo „Blumentopf“ die Veranstaltung.

Palästina und Deutschland – Opfer des israelischen Faschismus
Dieses Jahr wird Haneen Zoabi mit ihrem Vortrag „Gleiche Rechte für alle Bürger“ erscheinen. Die vermeintliche Frauenrechtlerin spricht in einem aktuellen Interview von einem Israel, das „immer ein rassistischer Staat“ gewesen und seit zwei Jahren im Faschismus angekommen sei. Zoabi ist arabische Abgeordnete in der Knesset, hat 2010 bei der Gaza-Flottille teilgenommen und verlässt während der israelischen Nationalhymne regelmäßig demonstrativ das Parlament. Ein seltsamer Faschismus ist das, wo ein solches Verhalten nicht zur Ermordung oder wenigsten zum parlamentarischen Rauswurf führt. Für das deutsche Publikum hat Zoabi Bauchpinsel im Gepäck. Die Deutschen würden von Israel mit dem Holocaust erpresst“, sagt Zoabi und kann sich damit schon jetzt des Applauses sicher sein.
Einen weiteren Vortrag, „Eine Frau in Gaza“, hält voraussichtlich Nesreen Abosultan. Laut Ankündigungstext der Betriebswirtin aus Gaza scheint es sich um eine Frauenperspektive zu drehen. Ihr Twitter-Account aber zeigt unzählige arabische Tweets, allein in dem letzten zwei Monaten, die nicht gerade für eine emanzipierte Haltung und vor allem für Männer sprechen. Da ist von einem Hungerstreik der „besten Söhne des palästinensischen Volkes“, den „gefangenen Helden in zionistischen Gefängnissen“ die Rede, die sich in einem Zuständ der „ständige Intifada“ befänden. Es gelte die Parole „Sieg oder Tod!“

Emanzipation als Farce
Es wird der viel prämierte Film „Budrus“ gezeigt, eine Dokumentation über gemischtgeschlechtliche sowie gewaltfreie Demonstrationen vom „Volkskomitee“ des Dorfes Budrus gegen den israelischen Sicherheitszaun. Damit soll der Regisseurin Julia Bacha nach deutlich werden, wie der Widerstand „tatsächlich“ aussähe. Es herrsche ihrer Ansicht nach „noch immer viel zu viel vages Gerede über die Militanz und Gewaltbereitschaft der Palästinenser.“ Dass Bomben regelmäßig, Raketen mindestens wöchentlich und Steine täglich in Israel hoch- bzw. auf Israel niedergehen, wird dabei ausgespart. Das Hamas Mitglied Ahmed Awwad sieht die Demonstrationen in Budrus pragmatischer: „Die Gewaltfreiheit ist das am besten geeignete strategische Werkzeug, um die Ziele des Dorfes zu erreichen.“
Mit „geeignetes strategisches Werkzeug“ lassen sich auch die „Palästina Tage“ in München 2012 gut beschreiben. Sie sind auf das deutsche Ohr abgestimmt: Tränendrüse und Wohlfühlwiderstand. Offenbar sollen dieses Jahr immerhin Frauen zu Wort kommen. Allerdings wenden sich diese Frauen nicht gegen das Patriarchat, sondern argumentieren nach dem Motto: Jüdinnen und Juden sind der arabischen Frau Unglück. „Palästina“ wird dabei als weibliche Negativfolie allem vermeintlich Jüdischen entgegen gehalten, bekommt die Rolle der perfekten ideellen Gesamt-Antijüdin zugewiesen. So wie viele arabische Kommunisten in und um Israel keine Klassen mehr kennen wollen, wenn es gegen Israel geht, sind diese Frauen nicht fähig, das antisemitische Ressentiment abzustreifen und ihre Interessen als Frauen gegen das Ganze zu vertreten. Auf einen Kommentar einer der queer- bzw. feministischen Gruppen in München zu den sich feministisch gebenden „Palästina Tagen“ 2012 hofft erwartungsvoll Schlamassel Muc.
Weiterführendes
Programm der kommenden „Palästina Tage“ im Kalender oder in der rechten Spalte (NoGo! PT)

Quelle: http://schlamassel.blogsport.de/2012/05/26/frauenpower-aus-der-palaestinensischen-volkskueche/

Dienstag, 8. Mai 2012

Frauen in der Roten Armee

Passend zu unserem Hintergrundbild folgenden Artikel zu eurer Kenntnis.


Zeitzeuginnen erinnern an eine verdrängte Geschichte

"Moskau, den 10. Oktober 1941. An diesem Tag war es im ZK des Komsomol besonders laut und voll, doch das Besondere war, es hatten sich fast nur Mädchen versammelt. Sie kamen aus allen Ecken und Enden der Hauptstadt, aus Anstalten, Betrieben, Fabriken. Ganz unterschiedliche Mädchen, übermütig und laut, still und bescheiden, mit kurz geschnittenem Haar und langen dicken Zöpfen (...) Der Reihe nach betraten sie ein Zimmer, wo jemand mit einer Feldbluse hinter einem Tisch saß. ,Seid ihr fest entschlossen, an die Front zu gehen?` ,Ja!` ,Und ihr habt keine Angst davor, dass es hart wird?` ,Nein!` Prüfend betrachtete er jedes Mädchen einzeln, ob da nicht ein Anflug von Zweifel oder Unaufrichtigkeit zu erkennen wäre."
Unterleutnant Galina Dokutowitsch, seit einem Jahr als Navigatorin in einem Fliegerregiment an der Front, schrieb diese Zeilen am 27.5. 1943 in ihr Tagebuch. Zwei Monate später fiel sie bei einem Einsatz.

Furchtsam, entschlossen, draufgängerisch

Sanitäterinnen, Scharfschützinnen, Bomberpilotinnen

Privates Gedenken im kleinen Kreis

Raphaela Kula
Mascha, Nina und Katjuscha - Frauen in der Roten Armee - 1941-1945, Ch. Links Verlag, 2002, 206 Seiten, 19,80 EUR