Was?

"Die Linke machte einmal den Fehler anzunehmen, daß sie ein Monopol auf Antikapitalismus hätte; oder umgekehrt: daß alle Formen des Antikapitalismus zumindest potentiell fortschrittlich seien. Dieser Fehler war verhängnisvoll – nicht zuletzt für die Linke selbst.” Moishe Postone, 1974

"Neofaschistische Strömungen in aller Welt gehen... mit dem antisemitischen islamistischen „Widerstandskampf“ konform, obwohl sie gleichzeitig rassistische Stimmungen gegen Migranten aus den islamischen Ländern schüren. Auch große Teile der globalen Linken begannen umstandslos die Glorifizierung des alten „Antiimperialismus“ auf die islamistischen Bewegungen und Regimes zu übertragen. Das kann nur als ideologische Verwahrlosung gekennzeichnet werden, denn der Islamismus steht gegen alles, wofür die Linke jemals eingetreten ist; er verfolgt jedes marxistische Denken mit gnadenloser Unterdrückung und Folter, er stellt Homosexualität unter Todesstrafe und behandelt die Frauen als Menschen zweiter Klasse." Robert Kurz, "Der Krieg gegen die Juden" 2009

Diese Plattform ist ein Zusammenschluss parteiunabhängiger und autonomer linker Gruppen und Personen in Bayern.

Samstag, 17. Dezember 2011

Genug des Pluralismus


Eine veröffentlichte Liste der „Top-Ten-Antisemiten“ des Simon Wiesenthal Centers sorgt für Empörung und Unruhe. Eine Gastbeitrag von Katharina König, Landtagsabgeordnete für Die Linke in Thüringen.

Unter den zehn genannten Personen befindet sich neben Mahmoud Abbas oder dem türkischen Ministerpräsidenten Erdogan auch Hermann Dierkes, Vorsitzender der Linksfraktion in Duisburg. Medien berichten. Über die Liste. Über die darin genannten Personen. Über das Anliegen des Simon-Wiesenthal-Centers: wachsenden Antisemitismus und die ständigen Versuche der Delegitimierung Israels zu thematisieren.

Nun mag man die Liste und die Auswahl der Personen kritisieren. Ebenso mag man den vom Simon-Wiesenthal-Center ausschlaggebenden Grund, Hermann Dierkes auf die Liste zu setzen hinterfragen, denn wer das antisemitische Flugblatt, welches den Davidstern mit dem Hakenkreuz verband, auf der website der LINKEn Duisburg einstellte, ist nicht bekannt.

Es sind Nebenschauplätze. Es ändert nichts an der Notwendigkeit dieser Liste. Es benötigt diese Sensibilisierung, die immer wieder aufmerksam macht und immer wieder versucht, das Problem öffentlich zu benennen.

Zumindest solange wir nicht in der Lage sind, dem zunehmenden Antisemitismus auch entsprechend zu begegnen.

Wir. Sowohl wir – die Gesellschaft in ihrer Gesamtheit als auch wir – Mitglieder und Sympathisant_innen der Partei DIE LINKE.

Hermann Dierkes äußerte sich per Pressemitteilung zu seiner Nennung. Er weist erneut nicht nur die Vorwürfe des Antisemitismus zurück, sondern diffamiert die Liste als „Rufmordkampagne gegen Persönlichkeiten, die sich für Menschenrechte, Völkerrecht und Frieden einsetzen“.

Allein Dierkes Einordnung der auf der Liste stehenden Personen ist zynisch angesichts von Äußerungen dieser wie:

„I love Hitler…People like you would be dead.Your mothers, your forefathers, would all be f****** gassed,“

so John Galliano, eine der nach Dierkes engagierten Persönlichkeiten für Menschenrechte, Völkerrecht und Frieden.

Welch Menschenrechtsverständnis, welch Völkerrechtsverständnis, welchen Friedens- aber auch Freiheitsbegriff vertritt aber auch ein Hermann Dierkes, der sich fragt:

“(…) wie Menschen, die von ihrem Antifaschismus, ihrer Friedensliebe und emanzipativen Einstellung überzeugt sind, Mittel und Methoden gegen die Palästinenser gutheißen, die verdammt nahe dran sind, an dem was die Nazis in den dreißiger Jahren getrieben haben (…)”?

Die Geschichtslosigkeit von Teilen der deutschen Linken nach Auschwitz ist beschämend und verachtenswert. Der Vergleich aktueller israelischer Politik mit der Politik des Nationalsozialismus ist nicht zuletzt aufgrund der EU-Arbeitsdefinition zu Antisemitismus als solches zu benennen. Allein diese eine Äußerung entlarvt Dierkes als das, was er ist: ein Antisemit.

Wir, als Partei DIE LINKE erheben namentlich und programmatisch den Anspruch, uns gegen Rassismus, Neonazismus und Antisemitismus zu stellen.

Und:

„Es gehört zum Bestand LINKER Grundpositionen, gegen jede Form von Antisemitismus in der Gesellschaft vorzugehen. (…)“

so der Beschluss des Parteivorstandes am 21. Mai 2011

Petra Pau und Gregor Gysi erklärten bereits 2010 – übrigens aufgrund einer weiteren Äußerung von Hermann Dierkes – :

”Linke Kritik an israelischer Politik darf weder das Existenzrecht Israels noch den Holocaust relativieren oder sie führt sich selbst ad absurdum.“

Weitestgehend werden wir dem auch gerecht. Dem jedoch immer noch verbreiteten Irrglauben, „Linkssein“ verleihe Immunität gegen antisemitische Einstellungen gilt es auch unsererseits entgegenzutreten: mit einer wahrnehmbaren Debatte und Auseinandersetzung sowie Klarheit in der Argumentation und im Handeln.

Die Argumentationsgrundlage ist eindeutig. Lassen wir ihr die entsprechenden Handlungen folgen.

Setzen wir dem Pluralismus die Grenzen, welche der Name DIE LINKE implizit beinhaltet:

Verweisen wir Antisemiten auch aus der Partei DIE LINKE.

Quelle: Ruhrbarone

Mittwoch, 30. November 2011

Bremer Linke boycottiert mal wieder Israel

Deutschland fehlt eine Gesamtstrategie im Kampf gegen den alltäglichen Antisemitismus. Zu diesem Schluss kommt der erste Bericht einer Expertenkommission. Sagt die taz

"Scharf kritisiert wird in ihrem nun vorgelegten ersten Bericht der Umgang der Schulen mit dem Antisemitismus. Dort werde das Thema fast nur mit Bezug auf den Holocaust behandelt. Damit erscheine der Antisemitismus als ein "ausschließlich den Nationalsozialisten zuzuordnendes Phänomen, das 1933 quasi aus dem Nichts erschien und 1945 wieder verschwand".
Viele Lehrer hätten zudem oft hohe moralische Erwartungen von ihren Schülern und verlangten von ihnen eine große Betroffenheit. Diese Haltung überfordere die Schüler und könne zu einer Abneigung nicht nur gegenüber dem Thema NS-Geschichte, sondern auch gegenüber Juden führen - also einen "Antisemitismus wegen Auschwitz" erzeugen.
Nach Ansicht der Experten müssten Pädagogen jedoch viel stärker auf Themen eingehen, in deren Kontext sich heute antisemitische Einstellungen zeigen könnten, allen voran der Nahostkonflikt. Aber auch bei der Kritik am Kapitalismus von links gebe es mögliche "Anknüpfungspunkte für Antisemitismus" - etwa wenn gegen das Finanzkapital und gierige Wall-Street-Banker polemisiert wird."

Eben diesem Expertenrat folgt nun Bremen, was allerdings den Bremer Linken nicht recht ist.


"Mit einer Mahnwache protestierten am 21. November verschiedene, auch palästinensische Gruppen, gegen den von der israelischen Botschaft gewünschten „Israeltag“ im Bremer „Landesinstitut für Schule“ (LIS)." sagt DIE LINKE.Bremen

Bremen ist ein kleines Bundesland, deswegen sind"mehrere Gruppen" dort auch nur sechs Personen.




Bremer Linke wollten unlängste erst Israel durch Boykott „reinigen“, als Linke und Friedensbewegte am 11. März vor einem Bremer Supermarkt mit Pappschildern und Handzetteln zum Boykott israelischer Waren aufriefen. Diese Aktion führte zu heftigen innerparteilichen wie ausserparteilichen Kontroversen.

Das Wetter wird wieder kälter, die Tage dunkler und dieselben zomboiden Gestalten kommen heraus aus ihren Höhlen und Löchern, um der Welt das "Gerücht über die Juden" anzuheften.


Erscheinungsformen, Bedingungen, Präventionsansätze
Bericht des unabhängigen Expertenkreises Antisemitismus

Montag, 14. November 2011

Alles Döner oder was?

Kartoffelmorde passieren dauernd in Deutschland. Also Verbrechen mit Todesfolge an deutschen Staatsbürgern von deutschen Staatsbürgern. Sogar in Serie. Die Täter nennt man dann Serienmörder. Und die Getöteten nennt man Opfer oder Ermordete. Zumindest wenn es sich um deutschdeutscheste Deutsche handelt. Beiderseitig. Das sind dann ganz gewöhnliche Kartoffelmorde. Nennt aber keiner so. Sind ja die eigenene Leute, nicht wahr?…

Von Ramona Ambs

Wenn die Morde aber aus rassistischen Beweggründen geschehen und die Opfer teilweise türkischstämmig sind, dann spricht man hierzulande von “DÖNERMORDEN”. Das bietet sich an, weil Türke und Döner ja quasi Synonyme sind. Zumindest für deutsche Journalisten… Das die Opfer Kioskbesitzer, Schneider, Blumenhändler, Schlüsseldienstinhaber, Internetcafebetreiber oder gar Griechen waren, dass sie Namen hatten und Gesichter, spielt dabei keine Rolle. Alles Döner. Ist doch klar.

Deshalb heißen die Mörder auch nicht Mörder, sondern Döner-Killer. Das klingt so schön niedlich – und lässt ja auch noch ausreichend viel Spielraum für die eigene Phantasie. Zumindest ließ es das, solange noch nicht klar war, wer die “Döner-Mörder” waren. Da konnte man dann ja auch eine rassistische Motivation noch gut ausblenden. Zumindest wenn man dämlich, naiv oder verschlagen genug war. Die Bild-Zeitung sprach seinerzeit ja noch von der „Halbmond-Mafia“ und entblödete sich nicht, den Ermordeten noch allerlei potentielle Delikte unterzuschieben… In einem Artikel von 2006 hatte BILD vier Theorien parat, weshalb die Opfer sterben mussten. Dafür hatte man willkürlich Aussagen von Ermittlern und Kriminologen zusammen gebastelt. In der ersten Theorie (Drogenmafia) konnte BILD sogar den Leiter der Soko Bosporus Wofgang Geier zitieren: „Mehrere Opfer hatten zu denselben Menschen Kontakt. Nicht ausgeschlossen, daß sie in der Drogenszene aktiv waren. Die Opfer sind kleine Lichter am Ende einer Kette. Wo sie Fehler gemacht haben, wissen wir noch nicht.“

Aha. Einige hatten Kontakt und man kann so manches nicht ausschließen und irgendeinen Fehler werden sie ja gemacht haben… spannend! Und für den Fall, dass doch nicht alle „Döner“ kleine verkappte Drogendealer waren, hatte BILD noch Theorie zwei (Organisierte Kriminalität), Theorie drei (Schutzgeld) oder aber Theorie vier (Geldwäsche) parat… irgendwas mussten die Döners doch angestellt haben!

Nunja. Mittlerweile dürfte sich das ja geklärt haben. Die „Döner“ wurden also nicht umgebracht, weil sie vielleicht und unter Umständen mal Haschisch geraucht haben, sondern weil sie eben „Döner“ waren. Ist ja auch irgendwie ein Grund, oder? Sonst würde man doch nicht von Döner-Morden sprechen. Man würde doch Menschen als Menschen bezeichnen und Mörder als Mörder. Man könnte sogar ganz einfach von einer rassistischen Mordserie sprechen. Oder von rechtsextremen Terroristen. Zumindest wenn die Opfer Menschen wären und nicht Döner…oder?
Quelle

"Nichts als Hass"


Mit mehreren Schüssen wird in Nürnberg-Langwasser im Jahr 2000 ein türkischer Blumenhändler auf offener Straße niedergestreckt. Es ist der Anfang einer Serie, der neun Migranten und eine Polizistin zum Opfer fallen. Auch in München gehen zwei Morde auf das Konto der Neonazis. Bekannte der Opfer können nicht fassen, dass die Taten einen rechtsextremen Hintergrund haben. Eine Spurensuche.

Samstag, 12. November 2011

Die Solidarisierer

Keine Be­rüh­rungs­ängs­te mit einem fal­len­den des­po­ti­schen Re­gime und des­sen ge­fal­le­nen an­ti­se­mi­ti­schen Füh­rer kennt das „An­ti­kriegs­bünd­nis Nürn­berg“, sowie die an­de­ren K-​Grup­pen der bay­ri­schen Stadt. Mit dem Krieg in Li­by­en und der mi­li­tä­ri­schen In­ter­ven­ti­on der NATO hat­ten diese deut­schen Frie­dens­freun­den einen An­lass ge­fun­den, Flug­blät­ter zu ver­fas­sen und Er­klä­run­gen zu ver­öf­fent­li­chen. Man un­ter­stütz­te die Er­klä­rung der „Bun­des­wei­te Ko­or­di­na­ti­on der Frie­dens­in­itia­ti­ven – Stoppt die NA­TO-​Krie­ge“, die zur „So­li­da­ri­tät mit dem li­by­schen an­ti­ko­lo­nia­len Wi­der­stand“ auf­rief und die Dik­ta­tur als „Ge­gen­mo­dell zum west­li­chen Raub­tier­ka­pi­ta­lis­mus“ pries.
Der Tod des Des­po­ten Gad­da­fi wird nun mit einer ei­ge­nen aus­führ­li­chen Er­klä­rung, be­trau­ert, die auch von der Orts­grup­pe der Deut­schen Kom­mu­nis­ti­schen Par­tei (DKP) und ihrem Wurm­fort­satz, der So­zia­lis­ti­schen Deut­schen Ar­bei­ter­ju­gend (SDAJ) un­ter­zeich­net wurde. In der Er­klä­rung wird der Des­pot als „Re­vo­lu­ti­ons­füh­rer“ glo­ri­fi­ziert, der von „sei­nen Fein­den im Wes­ten ge­fürch­tet, ge­hasst und auf das übels­te ver­un­glimpft“ wor­den wäre. „Unter sei­ner Füh­rung“ sei ein wah­res so­zia­lis­ti­sches Zu­cker­bä­cker­land ent­stan­den, das durch die „Un­ter­stüt­zung na­tio­na­ler und an­ti­im­pe­ria­lis­ti­scher Be­frei­ungs­be­we­gun­gen“ einen „Bei­trag zur Be­frei­ung vie­ler Völ­ker“ ge­leis­tet hätte.
Gad­da­fi un­ter­stütz­te tat­säch­lich Grup­pie­run­gen, die sich als „na­tio­na­le“ oder „an­ti­im­pe­ria­lis­ti­sche Be­frei­ungs­be­we­gun­gen“ ver­stan­den. Das an­ti­west­li­che Res­sen­ti­ments und der of­fen­si­ve Na­tio­na­lis­mus brach­ten ihn auch mit völ­ki­schen Grup­pie­run­gen zu­sam­men, die er ide­ell und fi­nan­zi­ell un­ter­stütz­te. Spa­ni­sche Fa­schis­ten, iri­sche Na­tio­na­lis­ten und deut­sche So­zi­al­re­vo­lu­tio­nä­re, denen der Dik­ta­tur bei­spiels­wei­se 1983 ein aus­führ­li­ches In­ter­view in der Zeit­schrift „Wir selbst“ gab, pro­fi­tier­ten von die­sen Zu­wen­dun­gen. Doch die­ser Um­stand wird in den Er­klä­run­gen der deut­schen Frie­dens­freun­de eben­so ver­schwie­gen, wie der völ­ki­sche In­halt des „Grü­nen Bu­ches“ und der An­ti­se­mi­tis­mus des „Re­vo­lu­ti­ons­füh­rers“.
Das der Des­pot für die Ver­trei­bung der li­by­schen Jü­din­nen und Juden ver­ant­wort­lich war, spielt hier eben­so­we­nig eine Rolle, wie die bru­ta­le Un­ter­drü­ckung der Be­völ­ke­rung, die der Des­pot von „po­li­tisch Kran­ken“ be­frei­en woll­te. „Mit der Macht­über­nah­me Gad­da­fis er­leb­te die Ver­fol­gung und Dis­kri­mi­nie­rung li­by­scher Juden, die sich be­reits in den Jahr­zehn­ten zuvor, ins­be­son­de­re wäh­rend des Sechs-​Ta­ge-​Krie­ges und da­nach in Po­gro­men und will­kür­li­chen Ver­haf­tun­gen nie­der­ge­schla­gen hatte, ihren Hö­he­punkt. Gad­da­fi ord­ne­te an, dass jeg­li­cher jü­di­sche Be­sitz zu ent­eig­nen sei und alle Schul­den, die Nicht­ju­den bei Juden hät­ten, hin­fäl­lig seien. Ob­wohl Gad­da­fi ein Aus­rei­se­ver­bot ver­häng­te, ge­lang den al­ler­meis­ten li­by­schen Juden in den fol­gen­den Jah­ren die Flucht ins Aus­land. Seit dem 21. Jahr­hun­dert leben schließ­lich gar keine Juden mehr in Li­by­en“.
Doch diese Um­stän­de wer­den nicht be­nannt. Statt­des­sen wird der An­ti­se­mit als wah­rer Men­schen­freund sti­li­siert und in die Ah­nen­ga­le­rie ein­ge­mein­det: „Mu­am­mar Gad­da­fi wurde wie Che Gue­va­ra, Pa­tri­ce Lu­mum­ba, Mauri­ce Bi­shop, Steve Biko, Sal­va­dor Al­len­de und viele an­de­re Re­vo­lu­tio­nä­re im in­ter­na­tio­na­len Be­frei­ungs­kampf er­mor­det“. „Un­se­re So­li­da­ri­tät gilt dem tap­fe­ren, gegen Put­schis­ten und NATO kämp­fen­den, li­by­schen Volk“, heißt es am Ende der Er­klä­rung.
Viel­leicht wer­den sich die deut­schen Frie­dens­freun­de aus Nürn­berg auch mit dem „Alice“-​Mo­dell Va­nes­sa Hess­ler so­li­da­ri­sie­ren, die nun nicht mehr für „Alice“ wer­ben darf, weil sie in einem In­ter­view ihre „lei­den­schaft­li­che“ Lie­bes­be­zie­hung mit einem Gad­da­fi-​Sohn dar­ge­stellt hatte: „Das sind ganz nor­ma­le Men­schen“, sagte sie dort. Auf der Face­book-​Sei­tedes „An­ti­kriegs­bünd­nis Nürn­berg“ be­klagt sich das Links­par­tei-​Mit­glied Chris Sedl­mair be­reits jetzt: „Die Jagd auf Gad­da­fis Fa­mi­lie macht nicht mal vor den Bet­ten halt“. Es scheint also nur eine Frage der Zeit zu sein, bis die deut­schen Frie­dens­freun­de eine wei­te­re Er­klä­rung ver­öf­fent­li­chen, mit der sie ihre So­li­da­ri­tät für die ehe­ma­li­ge „Alice“-​Wer­bei­ko­ne er­klä­ren.

Donnerstag, 10. November 2011

Linksjugend fast gegen Sexismus

Linksjugend fast gegen Sexismus

Sexismus ist schlecht. Und Sexisten (ohne *innen) müssen entschieden bekämpft werden. Sagt die Linksjugend ['solid] Mecklenburg-Vorpommern. 
Deswegen wurde unter dem Titel „Sexistische Rollenklischees haben so einen Barth!“ mit einem Bild des Scherzkekses Mario Barth gegen selbigen zu Felde gezogen. Das wiederum gefiel Barth nicht, der so seine eigenen Vorstellungen von Urheberrecht hat und deswegen juristisch dagegen vorging. Ende offen.

 Linksjugend - Pressesprecher Robert Wollenberg sagte dazu, "dass der Verband auch weiterhin gegen die Verbreitung sexistischer Rollenklischees vorgehen werde." Im Blog "Lafontaines Linke" tönte er sogar:“Sexismus und Unterdrückung bekämpfen! Immer und überall!”

Nun gibt es in Deutschland leider noch sehr viel Sexismus und Unterdrückung von Frauen. Zwangsehen, Genitalverstümmelung, Ehrenmorde, Gruppenzwang zur Verschleierung, Fasten oder Kopftuchtragen. Auch ausserehelicher Sex ist in manchen Gemeinschaften ein Grund für körperliche Gewalt gegen Frauen. Die Linksjugend ['solid] könnte sogar in der eigenen Partei anfangen, und weibliche MdBs kritisieren, die sich auf das "Frauendeck" eines Schiffes zur Unterstützung der frauenfeindlichen und homophoben Hamas haben separieren lassen. Oder eine andere LINKE-MdB und Bundespräsidentschaftskandidatin, die mit Kopftuch ihre Aufwartung den Mullahs der islamischen Republik Iran machte, während  ein paar Kilometer nebenan schwule Jugendliche an Baukränen aufgehangen wurden.

Natürlich ist es einfacher, einen weißen, männlichen, deutschen Komikhansel mit dämlichen Sprüchen als Feindbild zu rekrutieren, als sich mit realen, handfesten Unterdrückungsstrukturen zu beschäftigen.


Da wäre zum Beispiel der Rapper Bushido zu nennen, der mit Texten wie:"Ein Schwanz in den Arsch, ein Schwanz in den Mund, Ein Schwanz in die Fotze, jetzt wird richtig gebumst" ("
Gangbang lyrics") ankündigt: "Ich zeig dir was passiert wenn wir beide Streit haben Deine Tochter wird für meine Jungs zum Leihwagen." oder auch mal neckisch männliche Homosexualität thematisiert: "Ihr homosexuellen Arschgefickten Cracks." (Fick Rap lyrics)

Allerdings neigen Bushidofans dazu, den Worten ihres Meisters ("Wir sind die drei die euch Zecken in den Zoo schicken Die euch so ficken bis ihr euer Blut kotzt, Ich bin Berliner der nicht redet sondern zuboxt") auch Taten folgen zu lassen, und unbelebte Objekte meinungsverstärkend in Diskussionen einzubringen. Eine Linksjugend ['solid] - Protestdemo gegen ein Bushidokonzert hätte daher nur sehr begrenzte Chancen, unversehrt den Platz wieder zu verlassen.

Von daher ist es zu verstehen, wenn man sich seitens ['
solid] - MV  auf dem (dank Rechtsschutzversicherung) ungefährlichen Weg der PR-Antifa und Antisexismusproteste via Blog und Anwalt begibt.

Bushido soll ja nun einen Bambi bekommen: "„Der in Bonn geborene und in Berlin aufgewachsene Deutsch-Tunesier richtet seinen Appell für ein respektvolles Miteinander an seine Fans ebenso wie an Politik und Öffentlichkeit.... .Bushido setzt sich ein gegen Gewalt und für ein respektvolles Miteinander in einer multikulturellen Gesellschaft.““


Respekt, Alder!


"Bushido ist sicher kein Beispiel für gelungene Integration, sondern eine äußerst erfolgreiche Kunstfigur, die auf dem Rücken von Minderheiten große Kasse macht. Dass er dabei Frauen nur als 'Schlampen' bezeichnet und Botschaften wie 'Schwuchteln verkloppen' rappt, scheint den Burda-Verlag nicht zu stören", erklärte dagegen Grünenchefin Claudia Roth.

Ist nun bald mit einer Kampagne der Linksjugend ['solid] gegen Bushido & Co  zu rechnen? Einer Aktion, die Bambiverleihung oder ein Konzert beispielsweise mit Buttersäure zu bereichern? Die Lebenserfahrung sagt nein. Und das ist  gut so. Links wirkt.

"Erstaunen erzeugte nur, dass Bushido noch von der Bühne herab die protestierenden Schwulen und Lesben mit abfälligen Posen behelligte: „Die Wichser können demonstrieren, sich aufhängen – ich scheiß drauf.“ Der Mann ist sich seiner Sache sicher. Denn sein Publikum applaudierte ihm. Auch für folgenden Satz: Die Kritik an ihm lenke nur – Stichwort Mügeln – von „Gewalt gegen Ausländer“ ab. Bushido weiß also genau, was er den Berufsbetroffenen schuldig ist: Jede Sauerei (Homophobie, Sexismus) kann er sich leisten, weil er durch das Bild vom guten, antirassistisch bedürftigen Migranten geschützt wird." antifa-braunschweig

Samstag, 5. November 2011

Vortrag über Israelfeindlichkeit und Antisemitismus in Bamberg

Am 15.11.2011 um 19.00 Uhr findet in der israelischen Kultusgemeinde ein Vortrag zum Thema „Feindbild Israel: Zum Verhältnis Israelfeindlichkeit und Antisemitismus“ statt. Referentin ist Prof. Susanne Talabardon von der Universität Bamberg. Der AK Shalom wird anwesend sein.

Samstag, 29. Oktober 2011

Nürnberg: Aufmarsch der „Grauen Wölfe“

Als besondere Provokation die Demo-Route in Nürnberg: Ausgangspunkt SPD-Haus, Endpunkt: DGB-Haus!


Zu einer Demonstration gegen „den Terror der PKK“ hatten verschiedene türkische Kulturvereine aufgerufen. Ca. tausend Teilnehmer/innen kamen, darunter viele Anhänger der türkischen rechtsextremen Partei MHP. Zahlreiche Teilnehmer/innen, darunter bereits kleine Kinder, zeigten das „Wolfssymbol“ (siehe Foto oben), auch die Fahne der MHP mit den drei Halbmonden war vertreten.
Es ist schon mehr als merkwürdig, wenn gerade die Anhänger der „Grauen Wölfe“, einer rechtsextremen Organisation, gegen den „Terror“ demonstrieren. Sind doch auch Anhänger und Funktionäre ihrer Partei MHP und der „Grauen Wölfe“ für zahlreiche Terrorakte und Übergriffe in der Türkei, aber auch in Deutschland verantwortlich. 
Zum Hintergrund:
Der Verfassungsschutz des Landes Nordrhein-Westfalen wirft der MHP und den „Grauen Wölfen“ vor, „zur Entstehung einer Parallelgesellschaft in Europa“ beizutragen, und sieht in ihr „ein Hindernis für die Integration der türkischstämmigen Bevölkerung“.
Die „Partei der Nationalistischen Bewegung“ („Milliyetçi Hareket Partisi“, MHP), wurde 1961 von Alparslan Türkeş gegründet, die „Grauen Wölfe“ sind eine paramilitärische Organisation der MHP nach dem Vorbild der deutschen SA. Selbst weisen sie jeden Vergleich mit Faschisten weit von sich und bezeichnen sich als „Idealisten“.
Zeitweise stellte sie paramilitärische Gruppen zum Kampf gegen die Kurden, die ebenso wie Juden, Christen, Aleviten und Armenier von ihnen bekämpft werden.
Die deutsche Organisation dieser Partei ist die so genannte „Föderation der Türkisch-Demokratischen Idealistenvereine in Deutschland“ bzw. „Türk Federasyon“ (Türkische Föderation) oder kurz ADÜTDF, die Gründungsmitglied der „Türkischen Konföderation in Europa“ ist. Die Jugendorganisation der Grauen Wölfe ist die Ülkücü Gençlik („Idealisten-Jugend“).
Und es gab bereits auch Zeiten, in denen es wie 1970 eine enge Kooperation zwischen der faschistischen türkischen MHP und der rechtsextremen NPD gab. Dieses belegte ein Briefwechsel zwischen den beiden damaligen „Parteiführern“ Alpaslan Türkes und Adolf von Thadden. Während Türkes von der „unbedingten Aktionseinheit der MHP mit der NPD“ sprach, regte von Thadden einen intensiven Jugendaustausch zwischen beiden Parteien an. Im Jahre 1977 bedankte sich Türkes wortreich für die großzügige finanzielle Unterstützung derNPD für den Wahlkampf der MHP.
In den letzten Jahren sind die „Grauen Wölfe“ mehrfach durch Übergriffe, beispielsweise 2008 in Neukölln/Berlin gegen Schwule und Transsexuelle, aufgefallen.
Derzeit bauen die türkischen Rechtsextremen ihre Strukturen aus, unterwandern türkische Kulturvereine und versuchen, Jugendliche durch Freizeitangebote zu gewinnen und sie im Geist ihrer Ideologie zu schulen. Regelmäßig finden – wie im letzten Dezember in der Stadthalle in Fürth – „kulturelle“ Großveranstaltungen statt, die erheblich durch die MHP und die „Grauen Wölfe“ dominiert sind, bei denen ebenfalls die Fahnen mit den drei Halbmonden zu sehen sind ebenso wie der „Wolfsgruß“.
Die Mitgliederzahl der „Grauen Wölfe“ wird vom Verfassungsschutz Nordrhein-Westfalens bundesweit mit ca. 7000 angegeben, die Zahl der Sympathisanten beträgt ein Vielfaches. Der Teufelskreis aus fehlender schulischer Bildung, Arbeitslosigkeit, mangelnden Chancen auf dem Arbeitsmarkt und immer wieder erlebter Diskriminierung macht viele Jugendlichen zur leichten Beute dieser antidemokratischen Gruppen, die vorgeben, ihnen ihre „Würde“ wieder zu geben, in Wirklichkeit aber eine rassistische Ideologie verbreiten.
Weitere Informationen zu diesem Thema bietet die Broschüre „Rechtsextremismus in der Einwanderungsgesellschaft“, herausgegeben von „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“, erhältlich über deren Adresse: Ahornstr. 5, 10787 Berlin
Siehe auch de.indymedia: Aufmarsch türk Faschisten Verhindern

Freitag, 14. Oktober 2011

Vereint gegen Israel? Die DDR und der Linksterrorismus

Angesichts der Brandanschläge auf die Bahn in Berlin und Brandenburg warnt die Gewerkschaft der Polizei bereits vor einer neuen RAF. Eine ahistorische Einschätzung – aus zahlreichen Gründen. So gab es im Gegensatz zu heute beispielsweise in den 1970er und 1980er Jahre einen Linksterrorismus in verschiedenen Ländern – und die Terroristen wurden aus dem Ostblock unterstützt. Eine Kontinuität zu Teilen der heutigen linksradikalen Szene gibt es aber: Die Ideologie des Anti-Imperialismus, welche die Welt übersichtlich in gut (unterdrückte Völker) und böse (Imperialisten) aufteilt. Wie die DDR und der westdeutsche Linksterrorismus vereint gegen Israel agierten, zeigt der folgende Beitrag.
Herzlich begrüßte Erich Honecker im Haus des ZK den PLO-Vorsitzenden, Yasser Arafat, am zweiten Tag seines offiziellen Freundschaftsbesuchs in der DDR im März 1982. Foto: Bundesarchiv, Bild 183-1982-0310-027, Fotograf: Mittelstädt
Von Martin Jander (Jander hielt diesen Vortrag auf Einladung der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Berlin und Potsdam)

Mittwoch, 12. Oktober 2011

Autobrandstifer fackelten Fluchtfahrzeug von Bahnbrandstiftern ab


kojote/BERLIN (eb) - Zwei Berliner Politaktivisten mussten gestern eine Serie von Brandanschlägen auf Bahngleise abbrechen, weil ihr Fluchtfahrzeug von Autobrandstiftern angezündet worden war.
Nach Informationen von Insidern wollten zwei Mitglieder des Kommandos “Kabelbrand gegen Krieg und alles” (KgK/UA) die seit dem Wochenende anhaltende Serie von Brandanschlägen gegen Bahngleise fortsetzen. Gegen 3 Uhr früh waren sie mit ihrem Auto zum Bahnhof Ostkreuz gefahren und hatten dort Benzinflaschen in einem Kabelschacht versteckt. Bei der Rückkehr zu ihrem Fahrzeug fanden sie jedoch den 12 Jahre alten VW vollständig ausgebrannt vor. “Eine Unverschämtheit, einfach das Auto von unschuldigen Menschen zu zerstören”, schimpfte Ansgar W. von der KgK/UA. “Wo ist da der Sinn? Wegen diesen Schwachköpfen mussten wir zu Fuß abhauen und kamen zu spät zum Plenum.”
Unterdessen beschwerte sich auf dem Internetportal “indyburner” ein Autobrandstifter von der Gruppe “Autobrand gegen Bonzenland“, dass er “heute Morgen zehn Kilometer mit dem Fahrrad zum Obi fahren musste, um neue Grillanzünder zu kaufen – nur weil wegen dieser Scheiß-Kabelbrände der Bahnverkehr stundenlang unterbrochen war.”

Freitag, 7. Oktober 2011

Vorträge * 11 / 12

Fremdwerbung für unsere Freund_innen von der Gruppe JiGRA (Jugendinitiative gegen Rassimsus & Antisemitismus) aus Regensburg
20.10.2011
Extreme Rechte und völkischer Mainstream in Ungarn
{Karl Pfeifer }
Neuigkeiten aus Ungarn hört man in den letzten Jahre ungern. Erinnert sei an die Serienmorde an Roma durch extreme Rechte mit Rückendeckung der Bevölkerung , den Einzug der offen antiziganistischen und antisemitischen Partei Jobbik mit 12 % ins Parlament sowie den Wahlsieg der rechtspopulistischen Partei Fidesz unter Ministerpräsident Orban. Schlagzeilen in Deutschland machte auch der Entwuf eines restriktiven Mediengesetzes im Dezember 2010, eher im Stillen vollzieht sich die völkische Außenpolitik sowie die repressive Sozialpolitk Ungarns: Im Mai 2010 hat Ungarn ein Gesetz zur doppelten Staatsangehörigkeit verabschiedet, welches „Auslandsungarn“ die ungarische Staatsangehörigkeit verleiht. Diese Änderung im Staatsangehörigkeitsrecht führt zwangsläufig zu Konflikten mit dem Nachbarland Slowakei, seien doch 10% der slowakischen Staatsbürger nach völkischen Verständnis „Magyaren“. Ebenso um staatliche Beschäftigungprogramme, in welchen hauptsächlich Roma zu härtester körperlicher Arbeit unter miserablen Bedingungen gedrängt werden, ist es eher ruhig.
Der Vortrag soll einen Überblick über die Geschichte, Entwicklung und Gegenwart rechter und völkischer Bewegungen in Ungarn geben.
17.11.2011
Antisemitismus und Antizionismus von links: Die KPD der Weimarer Republik und die SED in der frühen DDR
{Olaf Kistenmacher}
Die Haltung der kommunistischen und sozialistischen Parteilinken ist von einer eigentümlichen Zweideutigkeit gekennzeichnet: Einerseits bekämpften sie Judenhass und judenfeindliche Parteien. Andererseits fanden sich in der Weimarer Republik wiederholt antisemitische Aussagen in der Presse der KPD, und in der DDR wurden unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg Jüdinnen und Juden als angebliche „zionistische Agenten“ verfolgt. Der Vortrag rekonstruiert die Entwicklungsgeschichte dieses Antisemitismus von links, der sich zwar wesentlich vom Judenhass der Nationalsozialisten unterscheidet, aber zur staatlichen Verfolgung von Jüdinnen und Juden geführt hat. „Juden“ bzw. „Zionisten“ wurden in parteioffiziellen Veröffentlichungen immer wieder als Vertreter des Kapitals und der herrschenden Klasse dargestellt. Entsprechend unterstützte die Kommunistische Internationale den Zionismus nicht – anders als andere Nationalbewegungen. Vielmehr setzte die KPD den Zionismus bereits Ende der 1920er Jahre mit dem Nationalsozialismus gleich und begrüßte 1929 ein Pogrom in Palästina, bei dem über hundert Jüdinnen und Juden ermordet wurden.
Vor dem Hintergrund eines bis heute virulenten Antizionismus und Antisemitismus auch in Teilen der Linken erscheint ein Rückblick auf die Entstehung und Geschichte notwendig.
15.12.2011
Entsorgte Religionskritik, unverstandener Antisemitismus und weitere linke Schwierigkeiten im Umgang mit dem antimuslimischen Ressentiment”
{Markus Mersault und Lothar Galow-Bergemann}
Die einen glauben, der neue Antisemitismus heiße Islamophobie, die anderen, dass sich im Moslemhass nur der althergebrachte Rassismus verberge. Einige empfinden Kritik an islamischen oder islamistischen Zuständen als Verletzung der Menschenwürde, andere betreiben nicht Religionskritik, sondern einzig Islamkritik. Wie hat eine emanzipatorische Kritik an rassistischen und antimuslimischen Ressentiments ebenso wie an Begriffslosigkeit, unverstandenem Antisemitismus und Kulturrelativismus auszusehen, ohne die Kritik der Religion und die Kritik an fundamental-religiösen Zuständen gleich mit zu entsorgen?
Diesen scheinbar schwierigen Fragen wollen wir uns annehmen, erscheint dies aufgrund überwiegend ideologisch motivierter Positionierungen zum Thema notwendig.
19.01.2012
“Deutschlands Stoßtrupp” – Der BdV in der deutschen Nachkriegsgeschichte
{Erich Später}
Im Bund der Vertriebenen (BdV) und seinen Mitgliedslandsmannschaften waren seit der Gründung viele hochrangige NSDAP- und SS-Mitglieder in führender Stellung aktiv. Diese Täter, die sich in einem Opferverband zusammenschlossen, da sie laut Eigeneinschätzung in der „Charta der deutschen Heimatvertriebenen“ die „vom Leid dieser Zeit am schwersten Betroffenen“ waren, konnten nicht zuletzt wegen der Bemühungen des BdV in die neue Bundesrepublik integriert werden. Die aktive Zeit der NS-Täter im BdV ist heute vorüber, die von ihnen maßgeblich mitgestalteten Formen des Erinnerns und Gedenkens wirken jedoch bis heute fort. Die im Jahr 2008 vom deutschen Bundestag beschlossene Dauerausstellung im Berliner „Deutschland-Haus“, deren Fokus auf dem „Leid der deutschen Vertriebenen“ liegen soll, ist ein aktuelles Beispiel hierfür.
Im Vortrag soll sowohl die Geschichte als auch die aktuelle Politik des BdV beleuchtet werden.
16.02.2012
Vom Rassismus der Machteliten – Der Versuch einer vorläufigen Bilanz der Sarrazin Debatte
{Jörg Kronauer}
Die Veröffentlichung des Buches „Deutschland schafft sich ab“ durch das SPD-Mitglied und ehemalige Vorstandsmitglied der Bundesbank Thilo Sarrazin, sowie die massive Schützenhilfe für dessen Thesen durch Teile der deutschen Presselandschaft, hat es mal wieder offensichtlich gemacht: Es gibt in Deutschland ein Problem mit Rassismus auch jenseits des rechten Randes. Das Gerede von „Kopftuchmädchen“ produzierenden, faulen und dummen Muslimen stieß auf derlei viel Zustimmung, dass populistische Parteien rechts der Union sich Hoffnungen auf die Entwicklung politischer Relevanz machten und die SPD sich nicht zu einem Ausschluss Sarrazins aus der Partei durchringen konnte.
Im Vortrag sollen Funktionsweisen der rassistischen Kampagne sowie die Nachwirkungen untersucht werden.
01.03.2012
Antiziganismus und Ausnahmezustand – Der „Zigeuner“ in der Arbeitsgesellschaft
{Roswitha Scholz}
Antiziganismus ist ein weit verbreitetes und virulentes Phänomen, das in den westlichen Gesellschaften tief verankert ist. In nahezu allen Staaten Europas werden Menschen als »Zigeuner« diskriminiert und teilweise verfolgt. Gleichzeitig mangelt es an politischen und theoretischen Analysen, weshalb die Referentin den Versuch einer umfassenderen theoretischen Analyse und Einordnung des Antiziganismus vornimmt. So untersucht sie unter anderem die Parallelen und Differenzen zwischen dem deutlisch besser erforschten Phänomen Antisemitismus und Antiziganismus. Weiter wird die Verfolgung von als „Zigeunern“ indentifizierten Personen im Zusammenhang mit neuzeitlichen Disziplinierungsprozessen im Kapitalismus analysiert und das Bild des „Zigeuners“, welches sowohl von Neid und Sehnsucht als auch Angst und Hass von in kapitalistische Produktionsverhältnisse integrierte Personen geprägt ist, untersucht.
Der Vortrag soll theoretische Grundlagen für eine weitere Auseinandersetzung mit diesem wirkungsmächtigen Ressentiment liefern.
19.04.2012
Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg
{Karl Rössel}
Millionen Soldaten aus Afrika, Asien und Ozeanien haben im Zweiten Weltkrieg gekämpft, um die Welt vom deutschen und italienischen Faschismus sowie vom japanischen Großmachtwahn zu befreien. Sowohl die faschistischen Achsenmächte als auch die Alliierten rekrutierten in ihren Kolonien Hilfstruppen und Hilfsarbeiter oftmals mit Gewalt. Hunderttausende Frauen waren Opfer sexueller Gewalt. Rekruten aus den Kolonien mussten sich mit weniger Sold, schlechteren Unterkünften und geringeren Kriegsrenten als ihre «weißen Kameraden» zufrieden geben. Weite Teile der Dritten Welt dienten auch als Schlachtfelder und blieben nach Kriegsende verwüstet und vermint zurück. Doch so gravierend die Folgen des Zweiten Weltkriegs in der Dritten Welt auch waren, in der hiesigen Geschichtsschreibung kommen sie nicht vor.
Der Vortrag soll diesen weißen Fleck in der Geschichtsschreibung des Zweiten Weltkriegs beleuchten und zu einer Auseinandersetzung mit den Folgen anregen.

Donnerstag, 15. September 2011

Ist der Begriff "Islamophobie" ein Kampfbegriff gegen Islamkritik?

Ist der Begriff "Islamophobie" ein Kampfbegriff gegen Islamkritik?

Diese Frage wollte Klaus Blees von der NGO "Aktion 3.Welt Saar" am Dienstag in Erlangen klären.
Die Veranstaltung wurde organisiert vom LAK Shalom der Linksjugend Bayern und Haskala Bayern, einer Plattform gegen Antisemitismus. Die Moderation übernahm Frank Heinze von den autonomen Linken.


Um die 60 interessierte BesucherInnen hatten sich dazu im Freizeitzentrum Frankenhof eingefunden. Wie groß das Interesse am Thema ist, zeigte sich an der fast zweistündigen, intensiv aber fair und offen geführten Diskussion, die sich an den vierzigminütigen Vortrag anschloss.

Blees führte aus, “Islamophobie” bezeichne die Diskriminierung und Verfolgung von Moslems aufgrund ihrer Religionszugehörigkeit. Das Wort ist angelehnt an die Begriffsbildungen “Homophobie” für
Schwulenfeindlichkeit und “Xenophobie” für Fremdenfeindlichkeit. Als “islamophob” werden jedoch nicht nur gegen Moslems hetzende Rechtsextremisten gebrandmarkt, sondern oft auch säkulare oder linke
Islamkritiker, die aus einer emanzipatorischen, religions- und herrschaftskritischen Perspektive argumentieren. Dabei ist es nicht nur aufschlussreich, zu sehen, gegen wen sich der Vorwurf der “Islamophobie” häufig richtet, sondern auch, wer ihn so alles erhebt. In Großbritannien hat die 1953 in Jordanien im Umfeld der
Moslembruderschaft gegründete Hisb ut-Tahrir eine Kampagne "Stoppt die Islamophobie“ gestartet. Diese Gruppe arbeitete in Deutschland, wo sie mittlerweile verboten, aber nach wie vor aktiv ist, mit Neonazis
zusammen, unterstützt Selbstmordanschläge in Israel und möchte weltweit die Scharia einführen.

Das Referat stützte sich auf die vielfältigen bisherigen Veröffentlichungen von Blees (u.a. „Konkret“,der „Jungle World“ und in der Quartalszeitschrift "Materialien und Informationen zur Zeit" (MIZ) ). Dort führt er weiter aus:

Der Sinn derartiger Kampagnen gegen "Islamophobie“ liege damit auf der Hand: Kritikern islamischer Unterdrückungspraktiken die Mäuler zu stopfen und widerwärtige Menschenrechtssimulationen wie die "Kairoer Erklärung" aus der Schusslinie zu halten, auch mit dem Versuch, strafrechtliche Sanktionen der Islamkritik im internationalen Recht zu verankern. Die Relativierung oder Leugnung von Antisemitismus durch
seine Gleichsetzung mit "Antiislamismus" vernebelt darüberhinaus den Blick auf die in großen Teilen des islamischen Einflussbereichs grassierende Judenfeindschaft und den virulenten Wunsch nach
Vernichtung Israels, die sich durch diese Täter-Opfer-Umkehr der Benennung und Verurteilung entziehen lassen. Da braucht es nicht zu verwundern, dass Nazis in diesen Chor mit einstimmen, nicht wenige von
ihnen sogar zum Islam konvertieren, zumal es auch sonst weitgehende ideologische und politische Übereinstimmungen gibt.

Nun lasse sich einwenden, der Islamophobie-Vorwurf werde zwar häufig instrumentalisiert oder in inflationärer, missbräuchlicher Weise benutzt, doch schaffe diese Feststellung nicht den Tatbestand der Islamophobie selbst und einer massiv zunehmenden Diskriminierung von Moslems aus der Welt. Doch ist es wirklich angebracht, von einem solch spezifischen Tatbestand auszugehen? Der aus Indien stammende britische Publizist Kenan Malik hat dies für Großbritannien untersucht und aufgrund seiner Befunde verneint. Moslems sind von Diskriminierung betroffen, aber in der Regel nicht wegen ihres Glaubens. Hauptbedingungen von Diskriminierungen sind vielmehr Faktoren wie Klassenzugehörigkeit und Hautfarbe, bei Moslems wie Nichtmoslems.

Im Gegensatz zu Islamkritik wendet sich reaktionäre Islamfeindschaft nicht gegen die inhumanen Merkmale des Islam, sondern lehnt ihn ab, weil er als „fremd" wahrgenommen wird, fremd im völkischen und / oder
religiösen - meist christlichen - Sinne. Dies geht einher mit der Abwertung von Moslems als Menschen, einschließlich abwertender Bezeichnungen wie „Musels" oder „Ziegenficker" sowie Forderungen der
Art, alle Moslems auszuweisen. Für diese Szene sind Schlagworte wie „Überfremdung" oder „Türkisierung" charakteristisch.

Häufig wird der Begriff  aber auch bei antirassistischen Gruppen und in der Friedensbewegung verwendet. Darin sei hauptsächlich eine kulturrelativistisch begründete falsche Toleranz zu sehen. Oft sind es
Menschen, die sich als links und antirassistisch verstehen oder in der Flüchtlingsarbeit tätig sind, die es als Ausdruck von „Solidarität“ betrachten, wenn sie die in den Herkunftsländern herrschenden Kollektivzwänge wie etwa Zwangsverheiratung oder Schleierpflicht unkritisiert lassen. „Die haben halt eine andere Kultur...“, heißt es dann.

Diese Toleranz ist falsch und bringt einen Rassismus mit antirassistischem Anstrich hervor. Migranten werden von Teilen des friedensbewegten und antirassistischen Spektrums als einer anderen,
beispielsweise moslemischen Kultur zugehörig wahrgenommen, in der andere als die „westlichen" Werte gelten und zu gelten haben. Das Anlegen der ethischen Maßstäbe der Aufklärung, der Moderne, gilt dann als paternalistisch und eurozentristisch und im Fall moslemischer Communities als „islamophob". Doch was ist es anders als reaktionär, kollektive Zwangsidentitäten, die für die Individuen oft die Hölle
bedeuten, unter Bestandsschutz zu stellen, Gruppenrechten den Vorrang vor individuellen Freiheitsrechten zu geben?

Unterdrückungsverhältnisse sind zu kritisieren und zu bekämpfen, gleich, wie sie ideologisch legitimiert werden, ob religiös oder areligiös. Während allerdings das Christentum, wenn auch nicht
überall, durch Aufklärung und Säkularisierung geschwächt, gezähmt, zu einem gewissen Grad auch »verweltlicht« ist, gilt dies für große Teile islamischer oder islamisch dominierter Länder einschließlich der
Diaspora nicht. Der Entrechtung, Demütigung und gewaltsamen Verfolgung von Menschen durch orthodoxen Alltagsislam in Form von beispielsweise Kopftuchzwang, Zwangsverheiratungen, Ehrenmorden oder Homophobie ist kompromisslos entgegenzutreten. Alles andere wäre unterlassene Hilfeleistung. Den grassierenden Antisemitismus und Antiamerikanismus hinzunehmen oder herunterzuspielen, der im politischen Islam im Extremfall die Form des Jihadismus und des eliminatorischen Judenhasses annimmt, verbietet das von Adorno formulierte Diktum.

Dieser kategorische Imperativ schließe die Solidarität mit Israel und seiner Selbstverteidigung ebenso ein wie die Bekämpfung der Taliban in Afghanistan und die Notwendigkeit, das Ende des iranischen Mullahregimes herbeizuführen.

Zum Abschluss und als Resumee wurde von der Moderation der Nürnberger Publizist Robert Kurz zitiert:

"Neofaschistische Strömungen in aller Welt gehen... mit dem antisemitischen islamistischen „Widerstandskampf“ konform, obwohl sie gleichzeitig rassistische Stimmungen gegen Migranten aus den islamischen Ländern schüren. Auch große Teile der globalen Linken begannen umstandslos die Glorifizierung des alten „Antiimperialismus“ auf die islamistischen Bewegungen und Regimes zu übertragen. Das kann nur als ideologische Verwahrlosung gekennzeichnet werden, denn der Islamismus steht gegen alles, wofür die Linke jemals eingetreten ist; er verfolgt jedes marxistische Denken mit gnadenloser Unterdrückung und Folter, er stellt Homosexualität unter Todesstrafe und behandelt die Frauen als Menschen zweiter Klasse."  Robert Kurz, "Der Krieg gegen die Juden" 2009